Tagebuch

So hatte ich das mir in der Mongolei nicht vorgestellt: neuer, glatter Asphalt. Der Pauli ist ganz zufrieden, mir ist es fast zu langweilig. „Das kann ich auch Zuhause haben“ denke ich mir – ganz, ganz leise.

Wohl nicht leise genug, denn bald darauf ist es vorbei mit der Herrlichkeit: ein großer Haufen Erde auf der Straße bedeutet wohl „hier geht es nicht mehr weiter“. Also gut, dann nehmen wir eben eine der vielen Pisten, die hier von der Straße abgehen. Da heißt es ständig auf der Hut sein nach Bodenwellen, tiefem Sand, Waschbrett, losem Schotter und großen Steinbrocken auf oder neben der Piste. Ständig wechseln wir von Einer zur Anderen um einigermaßen voran zu kommen. Damit wir in den ganzen Gewirr von Wegen nicht die Orientierung verlieren, halten wir uns an die Stromleitung, die uns schon die ganze Zeit begleitet hat. Eine Stromleitung führt immer zu einer Ortschaft.

Nur leider nicht in die, in die wir wollten. Irgendwo ist wohl der richtige Weg links weggegangen. Aber Schilder oder Wegweiser gibt es hier nicht.

Wir müssen wieder zurückfahren, deuten uns die Einheimischen. Kein Weg führt von hier nach Chovd. Supi – etwa 35 km über Stock und Stein. Und kurz vor dem Dorf hat uns ein solcher Stein unseren Vorderreifen gekillt. Voll in die Seite gebohrt. Keine Chance zu flicken. Außerdem regnet es seit Stunden so leicht vor sich hin, damit alles schön schmierig wird. Aber hilft alles nichts, da müssen wir durch.

 

Ein paar Kilometer vor wir wieder auf dem richtigen Weg sind passiert es dann. Es läuft an sich wirklich gut, doch plötzlich 2-3 tiefe Bodenwellen. Der Panda taucht voll ein und nach der Zweiten Welle liegt der komplette Dachträger auf der Motorhaube. Sch...!!!!

Wir brauchen mindestens 20 Minuten um die verbogenen Teile wieder so zurecht zu biegen, dass der Träger wieder auf dem Dach sitzt. Und eine PET Flasche um die entstandenen „Freiräume“ zu schließen. Aber er hält, und außer ein paar ordentlichen Kratzern am Dach und auf der Motorhaube ist nichts Schlimmeres passiert.

Aber auch auf der richtigen Route (die wir jetzt ganz unsportlich hin und wieder mit dem GPS kontrollieren), wird es nicht wirklich besser. Da die Straße wegen der Kompletterneuerung gesperrt bleibt, suchen wir uns in dem Gewirr der Umgehungswege unseren Kurs. Das gleiche Chaos, wie oben beschrieben. Und bei einem dicken Stein ist der nächste Reifen fällig. Die Felge ist so verbogen, dass schön langsam die Luft ausgeht. Unser zweiter Reservereifen – der auf dem Dach – muss ran.

Es zieht sich. Eigentlich müssten wir schon längst in Chovd sein. Aber in dem Durcheinander von mehr oder weniger schlechten Pisten kommt man kaum voran.

Kurz vor Chovd ramme ich den Panda nochmal ordentlich auf einen fetten Stein im Weg. Gott sei Dank hat es nur den Auspuff etwas höher gelegt. Wir haben schon das Schlimmste befürchtet.

Heute ist definitiv nicht mein Tag.

In Chovd angekommen – ja, wir haben es tatsächlich noch geschafft – sehen wir zuerst das (aufgebockte !) „Highland“Auto der Schotten vor einer Jurte stehen,

sehen ein österreichisches Team uns entgegenkommen (die suchen einen Platz zum Zelten) und im Supermarkt treffen wir auf eine Gruppe Studenten aus Weihenstephan auf Exkursion.

Der Tag endet dann doch (fast) versöhnlich mit ein paar Kilometern Asphalt und Sternenhimmel.

Und der Reißverschluss meiner Jacke hat den Dienst quittiert – wie gesagt, nicht mein Tag.